Verein für Dorfgeschichte Bliesmengen-Bolchen e.V.

"Menger-Bolscher Dorfgeschichtler"


Blick auf Gräfinthal - Aufnahme aus dem Jahre 1937


Blick vom Bildersberg auf Gräfinthal - 1990 - Foto A. Schetting


Geschichtlicher Abriss,
Ehemaliges Wilhelmitenkloster Gräfinthal

Das letzte Kloster, das von den Eremitenmöchen des heiligen Wilhelm in Deutschland betreut wurde, stand in Gräfinthal. Gräfinthal gehört zum Ortsteil Bliesmenen-Bolchen in der Gemeinde Mandelbachtal im Saar-Pfalz-Kreis.

Das Kloster ist in der Französischen Revolution in Ruinen zerfallen. Die Wallfahrtskapelle, einige Hofhäuser und ein altes Taubenhaus haben die Stürme der Zeiten überstanden. Die älteste Quelle, die die Entstehung des Klosters beschreibt, stammt aus dem Jahre 1421. In dieser Quelle berichten die Ältesten der Umgebung unter Eid, dass "das Kloster vor 200 und mehr Jahren durch die Gräfin Elisabeth von Blieskastel gegründet wurde, nachdem sie wunderbarerweise durch ein Blutwunder von einem Augenleiden geheilt worden war".  Im Laufe der Jahrhunderte seit der Gründung im Jahre 1243 sind schwere Stürme über die Klosterkirche und den Konvent von Gräfinthal hinweggebraust, und das alte "Gräwendahl" hat sich immer wieder aus Schutt und Asche erhoben, bis es zuletzt unter seinem königlichen Gönner Sanislaus Lesczinsky eine Blütezeit erlebte, deren Spuren wir heute noch sehen können.

In den Revolutionsjahren ersteigerte der spätere Saargemünder Bürgermeister Jean Baptiste Mathieu die Bauwerke des ehemaligen Klosters und errichtete im Chor der inzwischen zur Ruine gewordenen Klosterkirche eine Kapelle, die er auch zu seiner Grabstätte bestimmte. Auch das Grabmal der Stifterin ist in der Kapelle von Gräfinthal. Sowie auch die Polenprinzessin Anna Leszcynska (+22.06.1717) hat hier ihre Grablage gefunden.

In Gräfinthal bedauert man den Verlust all der vielen Kostbarkeiten der Kirche, wie zum Beispiel das Chorgestühl mit der Samsonkanzel (heute in der Pfarrkirche Reinheim) und vor allem die Überführung des Gnadenbildes der Gottesmutter mit den Pfeilen (heute in Blieskastel, Kreuzkapelle).

Enten an der ehemaligen Pferdeschwemme neben dem Taubenhaus

Das Taubenhaus

Das Taubenhaus mit der Inschrift 1766 steht im Innenhof des ehemaligen Wilhelmitenklosters und gehörte zu den Bauwerken des Klosters. Taubenhäuser waren vor allem in französischen Klöstern eigene Gebäude mit Nisthöhlen für die Tauben, die einerseits als Delikatesse verspeist wurden, andererseits mit ihrem Kot wertvollen Dung lieferten.

Ein Taubenhaus war auch zur damaligen Zeit ein Statussymbol. Denn das Recht ein Taubenhaus zu haben, war in den Zeiten des Feudalismus adligen Grundherren vorbehalten, egal ob sie Laien oder Mitglieder der Kirche waren. Nur wer mindestens 36 Morgen Land hatte, durfte einen Tauenschlag mit bis zu 120 Nistplätzen haben. Das Gräffinthaler Taubenhaus hatte rund 270 Nistplätze.


Das passierte vor vielen, vielen Jahren in Gräffinthal:

"Christina Kreuzstein, so heiße ich/Dass ich getauft bin, das weiß ich./Weil meine Mutter eine Jungfer will sein,/ So liege ich hier auf diesem Stein."

Dieser Spruchreim war auf einem Zettel zu lesen, das einem kleinen Kind mit einer Schnur am Hals befestigt war.

Die ganze Geschichte, aufgeschrieben von der Dorflehrerin Ottilie Schimpf (+1997) finden Sie unter der Rubrik Sagen und Erzählungen.

Die Deutung  des Gräfinthaler Wappens

Von der Zeit der Gründung des Klosters im Jahre 1243 bis zur Auflösung im Jahre 1786 versahen die Mönche des Ordens vom heiligen Wilhelm den Dienst  in Gräfinthal und darüber hinaus in den Nachbargemeinden, vor allem in Bliesmengen-Bolchen und in Blickweiler, wo die Wilhelmiten als Pfarrer des Amtes walteten. Als sie nach den Wirren des 30jährigen Krieges ihre Kirche und das Kloster wieder aufbauten, brachten sie das Wappen des Ordens an vielen Stellen an.

Das von Lorbeerblättern umrankte Wappenschild trägt 12 heraldische Lilien. In der linken oberen Ecke sehen wir 3 liegende Halbmonde und darüber eine Krone.

Das Wappen mit den Lilien, den Halbmonden und der Grafenkrone ist unzweifelhaft dem hl. Wilhelm von Aquitanien zuzuordnen. Er war Herzog in Aquitanien, dazu Graf von Poitiers und Toulouse. Daher über dem Wappenschild die Grafenkrone, und da er ein tapferer Kämpfer gegen die Sarazenen in Spanien war, führt er die liegenden Halbmonde in seinem Wappen, dazu auf blauem Grund zwölf weiße Lilien. Der eigentliche Gründer des Ordens, der hl. Wilhelm von Malavalle, der sich im Gebiet von Siena (Italien) ein ödes, steiniges Tal zum Aufenthalte gewählt hatte und dort am 10. Februar 1157 verstarb, hatte mit dem heldenmütigen Draufgänger, dem berühmten Besieger der Sarazenen, nichts zu tun. In den Geschichten und Legenden der Heiligen gibt es allein ungefähr 60 Heilige mit dem Namen „Hl. Wilhelm“. Und von diesen ist der hl. Wilhelm, der Herzog von Aquitanien, der Berühmteste. Er wurde schon im Mittelalter mit dem Hl. Wilhelm von Malavalle verwechselt. Den verkehrten Spuren der mittelalterlichen Hagiographen (Beschreiber der Leben der Heiligen) nachfolgend, haben dann auch die Künstler den Ordnungsgründer der Wilhelmiten, den italienischen hl. Wilhelm von Malavalle mit dem französischen Wilhelm von Aquitanien verwechselt und ihn mit den Symbolen des tapferen Kriegshelden- Grafenkrone und Wappenschild dargestellt.

Kurz möchte ich noch auf die Jahreszahl 1714 hinweisen: Sie sagt uns, dass im Jahre 1714 der vertriebene Polenkönig Stanislaus Leszczynski zum ersten Male nach Gräfinthal kam und bis zu seinem Tode im Jahre 1766 ein Freund und Gönner des Klosters war.

(von Alfred Meyer aus dem Führer durch das historische Gräfinthal)


Madersteck Altar in der Gräfinthaler Klosterkapelle. Aufnahme aus den 50iger Jahren